Schwimmetiquette


Im Strassenverkehr leuchtet es (fast) jedem ein, sich an die Strassenverkehrsordnung zu halten. Das vermeidet Unfälle und hält den Verkehr mit seinen unterschiedlichen Verkehrsteilnehmern am Fliessen.

In der Schwimmhalle gibt es dafür die Schwimmetiquette, die leider den wenigsten Möchtegernschwimmern und Triathleten bekannt zu sein scheint. Auch viele Schwimmer scheinen noch nie etwas davon gehört zu haben. Von gesundem Menschenverstand und Fremdworten wie „gegenseitiger Rücksichtnahme“ und „Aufmerksamkeit dem Tun anderer gegenüber“, ganz zu schweigen.

Hier ein paar allgemeine Hinweise, die JEDE(R) SCHWIMMER(IN) beachten kann, wenn er/sie sein/ihr Hirn einschaltet, was außerordentlich dazu beiträgt überflüssigen Ärger beim Bahnenziehen in jeglichem Pool zu vermeiden.

– Du bist (meistens) nicht allein im Pool oder auf der Bahn! Also achte auch darauf, was andere tun!
– Teile den anderen Schwimmern auf der Bahn mit, was du vorhast, wenn es deren Training stören könnte.
– Mach dich mit den Regeln des Bahnschwimmens vertraut.
– Benutze deinen gesunden Menschenverstand!

Allein das macht den Aufenthalt und das Training im Schwimmbecken für alle Anwesenden (dich eingeschlossen!) wesentlich sicherer, angenehmer und effizienter.

  1. Jeder Schwimmer sollte das Training der anderen Schwimmer respektieren, die sich bereits auf der Bahn befinden. Das gilt insbesondere, wenn im Kreis geschwommen wird. Vermeide es den Trainingsablauf zu stören, wie auch du nicht in deinem Training gestört werden willst.
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  3. Langsamere Schwimmer sollten mit dem Abstossen warten bis die schnelleren Schwimmer sich abgestossen haben. Das heisst, vermeide es dich direkt vor einem schnelleren Schwimmer abzustossen oder dich in einen Schwimmer hinein abzustossen, der gerade wendet. Besser: Als langsamer Schwimmer solltest du dich unmittelbar NACH dem schnelleren Schwimmern abstossen, weil dir das mehr Zeit gibt deine Bahn in deinem Tempo zu schwimmen, ohne von den schnelleren Schwimmern (wieder/ständig) überholt zu werden.
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  5. Als schnellerer Schwimmer solltest du – wenn du siehst, dass sich ein langsamerer Schwimmer vor dir abstößt – dem langsamen Schwimmer ausreichend Distanz geben, bevor du dich selbst abstösst. Es ist weder für dich noch für den langsamen Schwimmer lustig, wenn du ihm in die Füße rauschst.
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  7. Lass die Schwimmer vorbei, die in einer schnelleren Schwimmart unterwegs sind als du. Beispielsweise sind diejenigen Schwimmer, die kraulschwimmend Bahnen ziehen schneller, als diejenigen, die schwimmtechnische Übungen ausführen oder Brustschwimmen.
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  9. Wähle, wenn möglich, ein Training, das zu den Schwimmern passt, die bereits auf der von dir gewählten Bahn schwimmen. Wenn dort Freistilsprints geschwommen werden, solltest du es beispielsweise vermeiden dort technische Übungen zu schwimmen.
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  11. Für an der Wand pausierende Schwimmer gilt: RAUS AUS DER MITTE! Das kann ich nicht gross genug schreiben. Die Mitte an der Wand ist zum Wenden da! Wenn du unbedingt einen zehnminütigen Schwatz mit deinem Trainingskollegen halten musst, dann stell dich an die Seite oder verlasse die Schwimmbahn. Wenn die Bahn voll ist, dann stell dich entlang der Trennleine. ABER GEH RAUS AUS DER MITTE!
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  13. Vermeide es mitten auf der Bahn während des Schwimmens plötzlich anzuhalten, weil deine Schwimmbrille beschlagen ist oder sich mit Wasser gefüllt hat – besonders, wenn Schwimmer hinter dir sind!
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  15. Bahnen für Sportschwimmer sind Bahnen für SPORTSCHWIMMER. Alles, was sich nur für einen Sportschwimmer HÄLT, aber keiner IST, der sollte diesen Bahnen FERN BLEIBEN.
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  17. Kein Sportschwimmer ist, wer mit dem Kopf aus dem Wasser Brust schwimmt. Selten Sportschwimmer sind Frauen in Bikinis oder Männer mit Badeshorts. Nichtschwimmer haben auf den Sportschwimmerbahnen definitiv nichts verloren. Für Plantscher gibt es abgetrennte Bereiche. Dto. für Nichtschwimmer.
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  19. Wenn es extra Bahnen für unterschiedliche Schwimmgeschwindigkeiten gibt, sollten diese respektiert werden.
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  21. Wenn es extra Bahnen für unterschiedliche Schwimmarten gibt, sollten diese respektiert werden.
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  23. Wenn im Kreis geschwommen wird, halte dich beim Bahnenschwimmen immer rechts! Orientiere dich an der Begrenzungsleine, anstatt am Mittelstrich des Bodens!
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  25. Gib schnelleren Schwimmern die Möglichkeit dich zu überholen. Das heisst, halte dich rechts. Wenn du Brust schwimmst, solltest du Brustschwimmen lernen. Das heisst, wenn du rechts schwimmst, sollte dein Beinschlag das Überholen anderer Schwimmer ermöglichen. Andernfalls stellst du nur ein weiteres Ärgernis dar.
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  27. Wenn nur wenige Schwimmer im Pool sind und viel Platz vorhanden ist, such dir eine eigene Bahn. Es ist sehr unhöflich, wenn der ganze Pool leer ist und du genau auf die gleiche Bahn gehst, wo bereits ein anderer (unbekannter Schwimmer) schwimmt. Außer es ist ein Freund von dir und ihr seid zum gemeinsamen Schwimmen verabredet.
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  29. Auch wenn keine Leinen eingehängt sind, wird ein Pool in Längsrichtung durchschwommen. Es zeugt von Ignoranz, wenn du anfängst plötzlich quer zu schwimmen und die anderen Schwimmer in ihrem Training störst.
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  31. Wenn du auf eine Bahn kommst, wo nur ein weiterer Schwimmer schwimmt, frag ihn, ob er im Kreis schwimmen will, oder ob ihr euch die Bahn teilen wollt, indem jeder auf seiner Hälfte der Bahn schwimmt.
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  33. Wenn du auf eine Bahn kommst, wo sich bereits zwei Schwimmer eine Bahn teilen, frag sie ob du dich anschließen kannst, und ob es möglich wäre im Kreis zu schwimmen.
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  35. Wenn du in ein Schwimmbad kommst, beobachte erst einmal kurz den Betrieb und suche dir eine Bahn mit Schwimmern, die ein Tempo schwimmen, welches du selbst realistisch dein ganzes Training hindurch halten kannst. Du hast weder Spass auf einer Bahn mit langsameren noch mit schnelleren Schwimmern als du einer bist. Und die anderen haben keinen Spass mit dir!
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  37. Wenn es keine Leinen gibt, ist es äußerst unhöflich und dreist, andere Schwimmer „aus dem Weg schwimmen“ oder „überschwimmen zu wollen“! Wenn du auf eine Bahn ohne Leinen kommst, auf welcher bereits jemand schwimmt, dann hast du auszuweichen! Konfrontationskurs kann ins Auge gehen. Am besten wäre es immer noch, den Schwimmer (oder die Schwimmerin) anzusprechen und höflich zu fragen, ob man sich die Bahn teilen könne oder gar im Kreis schwimmen könne.
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  39. Unterlasse es auf Schwimmerbahnen Aquajogging oder andere Formen von Wassergymnastik zu betreiben, außer das Schwimmbad ist leer.
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  41. Respektiere das Eigentum anderer! Das bezieht sich auf herum liegende Hilfsmittel wie Flossen, Paddles, Pullbuoys, Trinkflaschen, Schwimmbrillen etc. Das Spielzeug liegt NICHT zu deinem Vergügen da! Wenn du dir etwas ausleihen willst, dann frag vorher. Alles andere ist Diebstahl und kann zur Anzeige gebracht werden.
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  43. Dort wo einspringen verboten ist, IST EINSPRINGEN VERBOTEN! Das hat seine Gründe. Es gibt immer wieder schwere Unfälle, durch Idioten, die meinen, trotz ausdrücklichem Verbot, in ein Schwimmerbecken springen zu müssen. Es gibt auch genügend geistig unterbelichtete Jugendliche und Erwachsene, unfähige Bademeister und noch mehr unfähige Eltern, die ihre Aufsichtspflicht vernachlässigen.
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  45. Wenn du einen langsameren Schwimmer überholen willst und er dich nicht lässt, dann mach dich bemerkbar, indem du ihm auf die Füße tippst. Aus meiner Erfahrung: Bei den meisten Brustschwimmern leider ein Ding der Unmöglichkeit.
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  47. Wenn sich ein offensichtlich ernsthaft trainierender Schwimmer auf einer Bahn befindet, auf welcher du auch schwimmen möchtest, dann stell dich sichtbar an den Beckenrand und lass den Schwimmer noch ein paar Runden sein Training fortführen. Mach dich höflich! bemerkbar. Gib ihm Gelegenheit dich zu bemerken. Nur wenn er dich bewußt ignoriert, solltest du ihn absichtlich in seinem Training unterbrechen und fragen, ob ihr euch die Bahn teilen könnt oder im Kreis schwimmen. Ihm gehört die Bahn genauso wenig wie dir.
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  49. Für diejenigen, die auch im Ausland schwimmen: Die Pooletiquette kann in anderen Ländern etwas differieren. Besonders das „im Kreis schwimmen“ wird in den Ländern mit Linksverkehr (Strassenverkehr) auch gern „links herum“ ausgeführt.
  50.  
  51. Wer gern im Wasserschatten hinter einem schnelleren Schwimmer schwimmt, sollte es vermeiden diesem (ständig) auf die Füße zu tippen. Du erinnerst dich: Füße tippen ist das Zeichen für: ich will überholen. Die meisten sind dann nicht in der Lage die schnellere Geschwindigkeit ohne Wasserschatten zu halten, was zu beständigen unfreiwilligen Überholmanövern führt. Wenn du im Wasserschatten schwimmst, halte trotzdem ausreichend Abstand zu deinem Vordermann und Wasserschattenspender. Dann habt ihr beide mehr davon: Du deinen Wasserschatten und er seine Ruhe.
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  53. Wenn du überholst, stell sicher, dass dir niemand entgegenkommt. Besonders keine Schwimmer, die ebenfalls überholen oder entgegenkommende Schwimmer, die sich nicht wirklich rechts halten. Du hast nicht Vorfahrt! Wenn du überholst, achte auch darauf, dass du nicht gerade selbst überholt wirst. Halte beim Überholen ausreichend Abstand zu dem Schwimmer, den du überholst. Nichts ist unangenehmer als ein Tritt gegen den Kopf oder in die Seite von einem Brustschwimmer. Lass auch ausreichend Abstand bevor du dich wieder rechts einordnest. Es ist für den Schwimmer, den du überholt hast ebenfalls unangenehm, wenn er von dir einen Tritt ins Gesicht bekommt oder wegen dir anhalten muss.
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  55. Wenn du überholst, vermeide es die „Vorfahrt“ zu erzwingen. Das zeugt von Dummheit, Mangel an Erziehung und Unkenntnis der Schwimmetiquette.
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  57. Wenn du überholst, und es kommt dir jemand entgegen, solltest du die Distanz und das Tempo des entgegenkommenden Schwimmers abschätzen, ob du mit einem Sprint realistisch den Schwimmer vor dir überholen kannst, oder ob es besser ist, zu warten, bis gefahrloses Überholen möglich ist. Auch hier ist der gesunde Menschenverstand gefragt, keine Egomanie und Rücksichtslosigkeit.
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  59. Wenn die Wandseite zu überfüllt zum Wenden ist, oder du hinter mehreren Langsamschwimmern „gefangen“ bist, kannst du – nachdem du dich vergewissert hast, dass du in niemanden hineinschwimmst – abkürzen und die Seite wechseln ohne zu wenden und auf der anderen Seite deine Routine weiterschwimmen.
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  61. Wenn dir jemand auf die Füße tippt, dann ist es das Zeichen, dass jemand dich überholen will. Dann solltest du ihn lassen! Ein einzelnes Antippen kann auch ein Versehen sein, aber wenn dir jemand mehrmals bestimmt auf die Zehen tippt, dann kannst du dir sicher sein. Wenn du es nicht bereits tust, dann schwimm möglichst am rechten Leinenrand und lass den anderen vorbei. In Wandnähe heißt das für dich: sofort raus aus der Mitte, damit der nachfolgende, schnellere Schwimmer an dir vorbei wenden kann. Das gleiche (raus aus der Mitte) gilt logischerweise auch für dich, wenn du deine Trainingsroutine unterbrichst.
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  63. Wenn du überholt wirst, solltest du es lassen, absichtlich in diesem Moment das Tempo zu erhöhen, nur um den anderen Schwimmer nicht überholen zu lassen. Das ist ein äußerst infantiles Verhalten, besonders ausgeprägt zu bemerken, bei Männern, die von einer Frau überholt zu werden drohen…
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  65. Wenn du überholt wirst, solltest du es vermeiden stehen zu bleiben. Schwimm statt dessen näher an den Rand der rechten Leine, aber in deinem Tempo weiter.
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  67. Wenn ihr nur zu zweit auf einer Bahn seid, ein ähnliches Tempo schwimmt und nicht Wasserschatten schwimmen wollt, dann solltet ihr euch an möglichst entgegengesetzen Enden aufstellen und diesen Abstand beim Schwimmen halten. So kommt ihr euch gegenseitig am Wenigsten ins Gehege. Oder ihr einigt euch, wer führt oder in welchem Rhythmus ihr euch in der Führung abwechselt.
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  69. Achte beim Kreisschwimmen auch immer auf die hinter dir schwimmenden Athleten. Spätestens bei jeder Wende ist das möglich. Versuche zu erahnen, wenn ein schnellerer Schwimmer dich überholen will. Das erspart euch beiden Ärger. Ihr könnt beide eure Trainingsroutine in eurem Tempo ununterbrochen fortsetzen.
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  71. Wenn es geht, vermeide es grundsätzlich schnelleren Schwimmern im Weg zu sein. Ständig auf die Füße getippt zu werden, ist unangenehm und frustrierend. Lass schnelleren Schwimmern einfach den Vortritt und ihr habt alle mehr von eurer Trainingszeit.
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  73. Wenn du merkst, dass sich eine ganze Gruppe an schnelleren Schwimmern hinter dir angesammelt hat, dann lass sie an einer Wand vorbei und stoss dich erst nach dem letzten der schnelleren Schwimmer ab. Wenn du das Tempo nicht mithalten kannst, vermeide es dich mitten hinein in einen Pulk schnellerer Schwimmer abzustossen.
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  75. Wenn du die Rollwende kannst, solltest du es unterlassen die an der Wand in der Mitte stehenden (unwissenden) Schwimmer absichtlich zu treten, nur um deine Rollwende ausführen zu können. Das zeugt von Rücksichtslosigkeit, mangelnder Erziehung und Soziopathie.
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  77. Wenn du die Rollwende kannst, solltest du es unterlassen damit alle am Rand außerhalb des Beckens stehenden Leute nass zu spritzen. (Die im Wasser sind auch nicht sehr erfreut über derartiges Wenden.) Das zeugt von Rücksichtslosigkeit, mangelnder Erziehung, mangelndem Können und Soziopathie.
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  79. Glasflaschen haben an einem Schwimmbecken nichts verloren! Benutze Sporttrinkflaschen oder andere unzerbrechliche Flaschen aus Kunststoff.
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  81. Leg deinen Schmuck ab. Beim Schwimmen kommt es leicht zu Körperkontakt mit Schwimmern auf der gleichen Bahn oder der Nebenbahn. An Ohrringen und Kettchen kann leicht hängengeblieben werden, was zu hässlichen, vermeidbaren Verletzungen führt. Uhren sollten auch abgelegt werden. Die meisten Triathleten wollen jedoch ihre Rundenzeiten stoppen oder so ähnlich.

Diese Liste wird kontinuierlich erweitert…

Der Einfachheit und besseren Lesbarkeit halber benutze ich (fast ausschließlich) die männliche Anrede. Ich betone, dass die Athletinnen, Schwimmerinnen und Triathletinnen immer mit eingeschlosssen sind.

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