Kraulschwimmen – Front-Quadrant Technik


Merkmale und Vorteile der Front-Quadrant Technik beim Kraulschwimmen im Triathlon.

Es gibt verschiedene Armzugtechniken oder Armzug-Timings im Kraulschwimmen. Alle haben sie ihre Berechtigung und keine ist ausschließlich richtig oder ausschließlich falsch.

Die Front-Quadrant Technik wird auch australische Kraultechnik genannt und wurde auf den Strecken von 400m von Ian Thorpe und auf 1500m von Grant Hackett extrem erfolgreich geschwommen; aber auch Michael Phelps und Paul Biedermann schwimmen mit dieser Technik auf den Mittelstrecken im Schwimmsport.

Merkmale der Front-Quadrant Technik beim Kraulschwimmen im Triathlon

+ ausgeprägtere Ganzkörperrotation über die maximale Streckung
+ bewußte maximale Streckung
+ du schiebst bewusst deine Schulter nach
+ aktives Gleiten
+ mehr Beinschlag
+ geringere Armzugfrequenz
+ mehr Strecke pro Armzug
+ ausgeprägte Ellenbogenvorhalte

Front-Quadrant bezieht sich auf die Einteilung des kompletten Armzugbewegungsablaufs in einen Kreis mit vier gleichmäßigen Tortenstücken. Die vorderen beiden Viertel – das über Wasser und das unter Wasser bezeichnen die vorderen Quadranten. Die beiden anderen – logischerweise – die hinteren Quadranten. Bei der Front-Quadrant Technik findet der Wechsel in den vorderen beiden Quadranten statt. Mit Wechsel meine ich den Zeitpunkt der Rotation um die Längsachse, aber auch den Wechsel in der Führung des unteren Arms (= welcher Arm nach vorn in Schwimmrichtung zeigt).

Bei der Front-Quadrant-Technik streckst du den unteren Arm aktiv, maximal nach vorn (schulterbreit in deine Schwimmrichtung). Dabei schiebst du deine untere Schulter nach. Dazu ist ein gewisses Maß an Schulterbeweglichkeit von Vorteil. Du nimmst deinen ganzen Körper in diese Bewegung nach vorn hinein und unterstützt deine Streckung nach vorn durch deinen aktiven Beinschlag.

Wenn die Hand deines oberen Arms im Überwasserarmzug deinen Kopf passiert und kurz vor dem Einstechen steht, beginnt dein unterer Arm mit dem Unterwasserarmzug und dein oberer Arm löst den unteren Arm in seiner Position in einem fließenden Übergang ab.

Dein unterer Arm teilt mit seiner Hand (mit der kleinen Fläche der Fingerspitzen und dem daraus resultierenden geringen Wasserwiderstand) im Prinzip das Wasser, wie die Spitze eines Bootes.

Die Front-Quadrant Technik ist KEIN Abschlagschwimmen. Die beiden Hände treffen sich nicht!

Das Wasserfassen und die Zugphase des unteren Arms setzen ein, kurz bevor die obere Hand in das Wasser eintaucht und definitiv bevor du an Geschwindigkeit verlierst (= kein passives Gleiten!).

Es gibt KEINE passive Gleitphase. Die Gleitphase umfaßt die Zeitspanne des aktiven Streckens und Nachschiebens der Schulter in die maximale Streckung.

Es gibt KEINE Pausen im Armzug. Es wird weder vorn passiv gewartet, noch am Ende des Unterwasserarmzugs, wenn die Hand das Wasser verläßt, noch sonst irgendwo im Bewegungsablauf.

Dein Armzug (Wasserfassen und Zugphase) muss IMMER einsetzen, BEVOR du an Geschwindigkeit verlierst. Es gibt kein Warten, keine Pausen und kein passives Gleiten im Schwimmen unabhängig von der Schwimmart und der Schwimmtechnik. Dein Hauptziel muß es immer sein, dass du deine einmal erreichte Schwimmgeschwindigkeit erhältst oder verstärkst.

Der untere Arm sorgt jeweils für eine verlängerte Druck- und Zugstrecke im Unterwasserarmzug und mehr Stabilität durch die maximale Streckung und dadurch – im Zusammenhang mit der maximalen Streckung – für eine bessere Wasserlage.

Vorteile der Front Quadrant Technik beim Kraulschwimmen im Triathlon

+ mehr Strecke pro Armzug
+ Kraftersparnis auf längeren Strecken
+ verbesserte Wasserlage
+ weniger Beinschlag “möglich”

Komischerweise habe ich bei meinen Recherchen öfters eine umgekehrte Interpretation gefunden, nämlich dass nur Schwimmer mit einer guten Wasserlage bevorzugt mit der Front-Quadrant Technik schwimmen.

Dem kann ich nicht zustimmen, denn die maximale Streckung ist mit jeder (Armzug-)Technik Voraussetzung für eine gute Wasserlage. Wer sie nicht beachtet, und nicht umsetzt, hat halt keine. Eine bestimmte Armzugtechnik an eine gute Wasserlage zu koppeln, finde ich etwas weit hergeholt.

Bei der Front-Quadrant-Technik ermöglicht aktives Gleiten mit den Nebeneffekten einer geringeren Armzugfrequenz, bei mehr Strecke pro Armzug mehr Erholung während des Überwasserarmzugs. Der Nachteil eines Geschwindigkeitsabfalls muß ggfs. durch verstärkten Beinschlag ausgeglichen werden.

Ich bin der Meinung, dass die Front-Quadrant Technik sich sehr gut für längere Strecken eignet, also für alle Strecken im Triathlon (ab 400m aufwärts), da sie mit einer geringeren Armzugfrequenz geschwommen werden kann. Sie kann durch die etwas geringere Armzugfrequenz kräftesparender sein.

Alle Triathleten, die nicht aus dem Schwimmsport kommen, tun sich wahrscheinlich gut daran, mit einem möglichst geringen Kräfteverschleiß, aber ohne großen Zeitverlust aus dem Wasser zu kommen. Im Kraulschwimmen kann die Front-Quadrant Technik einen Beitrag dazu leisten.

Ziel ist es für alle Triathleten mehrere Armzugtechniken zu beherrschen, da die Armzugtechnik auch Geschwindigkeitsabhängig eingesetzt wird. Bei einem Antritt oder Sprint mit Front-Quadrant Technik zu schwimmen ist wenig sinnvoll. Hier ist die Rotationstechnik die erste Wahl.

Eine Abbildung und eine kurze Beschreibung der Technik bieten die Limmat Sharks unter dem Beitrag: Schwimmtechnik – Was bedeutet Front-Quadrant-Swimming?

Eine Analyse der Kraultechnik von Ian Thorpe und Grant Hackett bieten die Limmat Sharks unter dem Beitrag: Analyse von Grant Hacketts und Ian Thorpes Schwimmtechnik

Einen Vergleich der unterschiedlichen Armzugtechniken bieten die Limmat Sharks unter dem Beitrag: Koordination des Crawlarmzugs

Eine Beschreibung des hohen Ellenbogens im Zusammenhang mit der Front-Quadrant-Technik findest unter dem Beitrag: Hoher Ellbogen – Wie das Front-Quadrant-Schwimmen funktioniert

Auf YouTube demonstriert dieses Video anschaulich die Eigenschaften der Front-Quadrant-Technik.

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