Trainingshilfen im Kraulschwimmen – Paddles


Erst letztens konnte ich wieder einmal das Trauerspiel im Schwimmbad beobachten, als ein älterer Herr sich mit tellergroßen Paddles an der Hand auf der abgeleinten Schwimmerbahn von einem Ende zum anderen quälte, während ich ihn mit Beinschlagübungen überholen konnte. Er hat sicherlich ein tolles Training gehabt, was den Energieverbrauch betraf – aber Schwimmtraining? Schwimmtraining sieht anders aus – und der Einsatz von Paddles auch.

An einem anderen Tag konnte ich sogar entsetzt beobachten, wie eine Schwimmtrainerin Anfängern, die noch nicht einmal den Armzug ansatzweise korrekt beherrschten, Paddles an die Hand gab. Was die Leutchen da über und unter Wasser angestellt haben, war der reinste Horror. Ich fand es verantwortungslos.

Was sind Paddles?

Paddles sind unterschiedlich geformte flache Plastikteile mit kleinen Riemen. Damit lassen sie sich an der Hand befestigen. Es gibt sie in unterschiedlichen Größen.
Angefangen bei den kleinen Fingerpaddles bis hin zu den tellergroßen Teilen. Die Formen variieren von eckig, oval bis andeutungsweise handförmig. Sie können vollkommen flach sein oder leicht gewölbt. Die Plastikfläche selbst kann durchlöchert sein oder aus einer vollständig glatten, undurchlässigen Oberfläche bestehen. Die Farben, Muster und Designs sind ebenfalls vielseitig. Unten findest du eine Auswahl verschiedener Paddles.

Wozu Paddles?

Paddles vergrößern die Abdruckfläche deiner Hand und erhöhen damit den Wasserwiderstand, an welchem du dich abdrücken kannst – wenn du es kannst. Sie werden im Triathlon in erster Linie für ein „schwimmspezifisches Kraftausdauertraining“ im Wasser benutzt (wobei das Wort „Kraftausdauertraining“ mit Vorsicht zu genießen ist).

Gute Schwimmer benutzen die Paddles, um ihre Schnelligkeitsausdauer oder Sprintfähigkeiten zu verbessern. Diese beiden Fähigkeiten werden bei Triathleten gebraucht, für die 1:20min auf 100m ein lockeres Tempo sind. Der Rest ist mit hoher Wahrscheinlichkeit besser beraten sein Training an Technik und GA2-Einheiten auszurichten – ohne Paddles.

Manche Quellen behaupten auch man könne damit das Wassergefühl verbessern. Dem kann ich mich nicht anschließen, denn meiner Meinung nach „fühlst du kein Wasser“, wenn du ein Stück Plastik über der Hand hast.

Der Druck erhöht sich. Aber er ist umso weniger vorhanden, wenn du anschließend ohne Paddles schwimmst. Um den gleichen Druck ohne Paddles herstellen zu können, mußt du mit großer Wahrscheinlichkeit doppelt so schnell schwimmen, wie du es jetzt machst. Und dabei geht deine Technik den Bach runter…Meiner Meinung nach ist jeder Triathlet mit Wassergefühlsübungen (Scullings, Zugphasenübung, Entenpaddeln, Mississippidampfer, Hundepaddeln) oder Kontrastübungen (Faustkraul) besser bedient, als mit „Plastikspielzeug“ oder „Krücken“.

Ab wann Paddles?

Bevor du den Unterschied zwischen richtig und falsch im Unterwasserarmzug nicht kennst und fühlst, solltest du die Finger von Paddles lassen. Dein Unterwasserarmzug sollte über lange Zeit korrekt und stabil sein.

Ich habe mal irgendwo gelesen: „Wenn du 1500m in 20 Minuten schwimmen kannst, dann kannst du Paddles sinnvoll einsetzen, um deinen Leistungen weiter zu verbessern.“

Alle anderen haben erst einmal mehr davon an ihrem Armzug OHNE Paddles zu arbeiten, denn da gibt es lange noch genug Verbesserungspotenzial.

Unsachgemäßer Einsatz von Paddles macht dich nicht schneller, sondern langsamer, weil deine Armzugfrequenz absinkt und du diese Armzugfrequenz – bei exzessiven Paddleseinsatz – in dein Schwimmen ohne Paddles übernehmen wirst. Dein Muskelgedächtnis sorgt dafür…

Welche Paddles?

Wenn du unbedingt Paddles eingesetzen musst (aber niemand „muss“), dann entweder Fingerpaddles oder Paddles die maximal so groß sind, wie deine eigene Hand. Alles andere birgt nur ein erhöhtes Verletzungsrisiko für deine Schultergelenke.

Paddles, die sich vorne zuspitzen, belasten scheinbar die Schultergelenke weniger.

Entferne das Handgelenksband an den Paddles. (Die Finis Freestyler Paddles haben in weiser Voraussicht keines.) Damit lernst du das saubere Eintauchen. Bei unsauberem Eintauchen wird sich das Paddle schmerzhaft aufstellen. Das machst du nur einmal ;o)

Wie lange werden Paddles in einer Trainingseinheit eingesetzt?

Setze wenn deine Paddles nur über relativ kurze Strecken ein. Je unerfahrener du als Athlet, desto kürzer die Strecke.

Der Abdruck mit Paddles erfordert mehr Kraft. Die Armmuskulatur ermüdet dadurch schneller. Wenn deine Armmuskulatur ermüdet, wird dein Armzug schlampig und du vertiefst nur Fehler.

Da die wenigsten Triathleten gelernt haben bewußt die Rückenmuskulatur im Armzug mit einzusetzen, führen sie den Armzug hauptsächlich aus dem Schultergelenk aus. Wenn du hauptsächlich aus der Schulter arbeitest, erhöhst du deine Verletzungsgefahr. Dein Schultergelenk ist nicht auf die Dauerbelastung mit erhöhtem Druck vorbereitet.

Am Anfang sind 25m mehr als ausreichend. Mach danach eine Pause, die mindestens so lang ist, wie du für die Distanz gebraucht hast und wiederhole das ganze zwischen 4 und 12 mal. Mit vier Wiederholungen anfangen und langsam auf zwölf steigern. Der Paddeleinsatz im Training beträgt maximal 10 bis 25% des Gesamtumfanges.

Sobald du merkst, dass sich deine (hoffentlich korrekte) Armzugtechnik verschlechtert, leg eine (zusätzliche) Pause ein.

Kannst du auch mit der Pause deine Armzugtechnik mit Paddles nicht halten, schwimmst du ohne Paddles weiter. Kannst du auch ohne Paddles deine Armzugtechnik nicht mehr halten, hörst du mit dem Trainining auf. Vermeide es Fehler zu trainieren und zu vertiefen.

Um deine Frequenz gleichmäßig zu halten, leistet dir der Tempo Trainer von Finis gute Dienste.

Gefahren bei der Benutzung von Paddles

Wenn dein Unterwasserarmzug weder korrekt noch stabil ist, geht dein Arm im Wasser den Weg des geringsten Widerstandes. Das wirkt sich negativ auf deinen Vortrieb, den selbsterzeugten Wasserwiderstand und (schlimmstenfalls) auf die Schultergelenke aus.

Viele Schulterbeschwerden und –verletzungen bei Hobbyschwimmern und –triathleten finden ihre Ursache im falschen und/oder übertriebenen Einsatz von Paddles.

Bei Anfängern, fortgeschrittenen Anfängern und allen, die den Unterschied zwischen richtig und falsch im Unterwasserarmzug weder kennen noch fühlen, halte ich auch gar nichts davon Paddles bei schwimmtechnischen Übungen einzusetzen.

Erst wenn du selbst merkst, was du tust, wenn du im (Kraul-)Schwimmen Unterschiede feststellen kannst zwischen richtig und falsch, und wenn du anfängst dich selbst beim jeweils nächsten Armzug zu korrigieren, kannst du über den sinnvollen Einsatz von Paddles nachdenken.

Beispielbilder und Links (zu amazon.de) für Paddles unterschiedlicher Hersteller in verschiedenen Formen und Größen:

Head Contour Paddle Gr. M

Zoggs Matrix Hand Paddles

Speedo Tech Paddle

Paddles-veras-triathlon-blog-005
Paddles-speedo-tech-paddles-S-veras-triathlon-blog-005

Speedo BioFuse Finger Paddles

Arena Elite Finger Paddle

Agility Hand Paddles von FINIS

Die Agility Paddles von Finis benutze ich manchmal, denn sie haben keine Möglichkeit zu schummeln, weil keine Schlaufen für Finger oder Handgelenk vorhanden sind. Statt dessen gibt es eine Öffnung für den Daumen. Da ist wirklich sauberes Eintauchen mit der Hand erforderlich, sonst rutscht das Plastikteil von der Hand. Um zu schummeln, müßtest du das Paddel mit den Fingern krampfhaft festhalten, was kontraproduktiv ist (was manche Athleten trotzdem nicht davon abhält etwas zu tun…).

Finis Freestyler Paddle

Togu Finger Paddles Senior

Paddles-Fingerpaddles-veras-triathlon-blog-010
Paddles-veras-triathlon-blog-010
Paddles-veras-triathlon-blog-009
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Paddles-veras-triathlon-blog-004
Paddles-veras-triathlon-blog-004

Togu Finger Paddles Junior

BECO Power Paddles grau

Paddles-veras-triathlon-blog-001
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© 2011-2015 Vera Honoschenko. Alle Rechte vorbehalten.

2 thoughts on “Trainingshilfen im Kraulschwimmen – Paddles”

  1. Hallo Vera,

    „Manche Quellen behaupten auch man könne damit das Wassergefühl verbessern. Dem kann ich mich nicht anschließen, denn meiner Meinung nach „fühlst du kein Wasser“, wenn du ein Stück Plastik über der Hand hast.“

    Ich gehöre zu den Quellen (Du übrigens auch: … Damit lernst du das saubere Eintauchen…) Da die Fläche vergrößert wird, vergrößert sich auch die Kraft, die durch fehlerhafte Handhaltung ausgeübt wird, folglich bessere Rückkopplung an den Schwimmer. Persönlich nutze ich Paddles ausschließlich für das Techniktraining…

    =w=

    1. Hallo „w“,

      vielen Dank für deinen Kommentar.

      Ich bin und bleibe kein Freund von Paddles. Selbst für das Techniktraining würde ich sie keinem Triathleten empfehlen, dessen Unterwasserarmzug nicht korrekt und ausreichend stabil ist.

      Die größere Druckwirkung resultiert bei vielen Triathleten (die ich damit schwimmen gesehen habe) in einer Ausweichbewegung. Weniger in einem gleichwie gearteten Lerneffekt. Der Druck ist ohne Paddles, nach dem Schwimmen mit Paddles, doppelt so weit weg (salopp ausgedrückt). Wenn sie den Druck mit Paddles schon nicht gefunden haben, dann finden sie ihn ohne Paddles leider erst recht nicht mehr. Wenn die Technik nicht ohne Hilfsmittel stimmt, dann wird sie durch ein Hilfsmittel in den seltensten Fällen besser. Das ist zumindest meine Erfahrung.

      Die meisten Triathleten – die ich mit Paddles schwimmen sehe – benutzen zu große Paddles, haben eine zu geringe Armzugfrequenz, weichen dem Druck unter Wasser aus und schwimmen u.a. deshalb langsamer als ich ohne Paddles (im lockeren Tempo).

      Wenn du dagegen ein Schwimmer bist (oder Triathlet mit schwimmerischem Hintergrund), dann spricht nichts gegen den Einsatz von Hilfsmitteln, wie Paddles. Denn dann solltest du einen korrekten und stabilen Unterwasserarmzug besitzen, deine tempogerechte Armzugfrequenz auch mit Paddles aufrecht erhalten können, u.v.a. nach langjährigem Schwimmtraining wissen, was du tust.

      Das Wissen kannst du jedoch bei erwachsenen Quereinsteigern in den Triathlonsport nicht voraussetzen, und die wenigsten sind geneigt ausreichend Zeit in ein Schwimmtraining zu investieren, da es ja „bloß die Auftaktdisziplin ist, die es irgendwie zu überstehen gilt“.

      Viele Triathleten (v.a. die Quereinsteiger) suchen nach einer Abkürzung. Das ist nur menschlich. Aber die gibt es im Schwimmsport nicht. Wenn deine Technik schlecht ist, dann helfen dir Paddles dabei deine schlechte Technik weiter zu vertiefen. Sie lernen dir keine gute Technik – v.a. nicht automatisch durch die alleinige Benutzung. Wie beim Pullbuoy auch: Ich habe leider noch keinen Triathleten getroffen, der etwas von seinem Hilfsmittel gelernt hätte, weil einfach die Aufmerksamkeit und das Gefühl für das fehlt, was der Triathlet im Wasser macht und was das Wasser mit ihm macht. Aber vielleicht gibt es sie trotzdem da draußen…;o) Viele Grüße. Vera

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