So findest du deinen optimalen Neoprenanzug für das Kraulschwimmen im Triathlon


Bei der großen Auswahl an Neoprenanzügen, neuhochdeutsch manchmal auch nach dem englischen Wort: „wetsuits“ benannt, auf dem Markt, fällt die Auswahl schwer. Nachfolgend findest du eine Einkaufshilfe, die dir bei der Auswahl deines Neoprenanzugs für die Auftaktdisziplin – das Kraulschwimmen – im Triathlon hilft.

Material von triathlonspezifischen Neoprenanzügen

Das Material ist an der Oberfläche glatt, deshalb heißt diese Art von Neoprenanzug auch Glatthautneo oder Glattneopren. Das ist der Unterschied zu den oft wesentlich preisgünstigeren Tauch- oder Surfneoprenanzügen, die unbeschichtet sind und deren Außenhaut das Nylonmaterial zeigt.

Die Innenseite hingegen ist das von den Tauch- oder Surfneos her bekannte Nylon. Das Obermaterial von Schwimmneos ist sehr empfindlich.

Heute wird oft (vor allem bei den höherpreisigen Neos) von einer SCS-Nano-Beschichtung im Obermaterial gesprochen, die besonders widerstandsarm hinsichtlich des Reibungswiderstandes sein soll. Bevorzugtes Material ist Yamamoto-Neopren, das in meist unterschiedlicher Stärke (Arme, Beine, Schultern, Rumpf) verarbeitet wird.

Die Hersteller werden auch nimmer müde immer neue Bezeichnungen für spezielle Auftriebspaneele zu erfinden, die sie strategisch dort verteilen, wo ihrer Meinung nach der Triathlet Auftrieb braucht.

Eine ausreichende Wärmeisolierung ist bei allen Neoprenanzügen gegeben, egal ob Einsteigerneo oder Wetsuit der Top-Kategorie.

Der Kragen

Am Kragen sollte möglichst dünnes, und damit weicheres Neoprenmaterial verwendet sein. Der Kragenabschluss sollte eng anliegen, damit kein Wasser in den Anzug hineinlaufen kann und sich an Bauch und Rücken sammelt. Gleichzeitig sollte der Kragenabschluss nirgendwo scheuern. Er wird meistens mit einer Lasche mit Klettverschluss am Rücken verschlossen.

Der Klettverschluss und die Reißleine

Unter diesen Klettverschluss wird auch die Reissleine des Rückenreißverschlusses verstaut. Diese Reißleine sollte ausreichend lang sein, so dass du sie problemlos mit den Händen hinter dem Rücken greifen kannst.

Der Reißverschluß

Der Reißverschluß sollte leichtgängig sein. Das Material des Reißverschlusses ist meistens Kunststoff, seltener Metall. Der Rückenreißverschluß sollte ebenfalls ausreichend lang sein, was ein leichteres An- und Ausziehen erleichtert. Der Reißverschluß ist meistens verdeckt eingearbeitet, d.h. das Neoprenmaterial schließt (in geschlossenem Zustand) von zwei Seiten über dem Reißverschluss.

Die meisten Reißverschlüsse werden von unten nach oben geschlossen. Es gibt aber auch Neoprenanzüge deren Rückenreißverschlüsse sich von oben nach unten schließen lassen (z.B. Green Turtle, AllgäuHai).

Arm- und Beinabschlüsse

Die Arm- und Beinabschlüsse sollten eng sitzen. Auch hier soll beim Schwimmen kein zusätzliches Wasser in den Neoprenanzug laufen. Bei manchen Herstellern sind die Arme und Beine extra länger gelassen, damit du sie selbst auf die für dich passende Länge zu kürzen kannst (z.B. Aqua Sphere, Zaosu). Manchmal sind die Arm- und Beinabschlüsse aus einem dünneren (weicheren), extra eng anliegendem Material (z.B. Camaro)

An den Unterarmen finden sich oft Einsätze mit aufgerautem Material, welches einen besseren „Grip“ oder Abdruck im Wasser ermöglichen soll. (Das setzt bereits einen korrekten Unterwasserarmzug voraus, sonst bringt dir auch dieses „Grip-Panel“ nichts.)

Nähte

Die einzelnen Teile des Neoprenanzugs sind meistens zusammengenäht und zusätzlich verklebt oder verschweißt. Es gibt auch Triathlonneoprenanzüge, deren Nähte sind komplett (= zu 100%) verschweißt, also nahtlos (z.B. Camaro „propulsor“). Oft sind Nahtkreuzungen an der Innenseite des Neoprens zusätzlich verstärkt oder mit Neoprenflecken überklebt.

Modelle von Triathlonneoprenanzügen

Die Beschreibung “Modelle” bezieht sich auf die unterschiedlichen Formen der Neoprenanzüge.

Fullsuits
Das sind Neoprenanzüge mit langen Armen und Beinen.

LongJohn (oder Long John)
Das sind Neoprenanzüge mit langen Beinen, aber ärmellos.

7/8 Suits
Das sind Neoprenanzüge mit 7/8 Beinlänge und ärmellos.

Shorties
Das sind Neoprenanzüge mit kurzem Bein und entweder kurzen Ärmeln oder ärmellos.

Spezialmodelle: Speedsuits
Das sind extrem dünn (0,5mm) mit Neopren beschichtete Schwimmanzüge, als Shorties bzw. im Aussehen eines Triathloneinteilers. Sie wurden für das Schwimmen im Triathlon bei Neoprenverbot benutzt. Inzwischen ist ihr Einsatz im Wettkampf (zumindest für die Profis – meines Wissens nach) verboten.

Passform

Die Passform fällt von Hersteller zu Hersteller unterschiedlich aus. Wenn du dir einen neuen und hochwertigen Neoprenanzug kaufst, dann solltest du ihn unbedingt vorher anprobieren. Besser wäre noch ein Testschwimmen.

Mit Bezug auf das Material läßt sich grundsätzlich sagen: Je flexibler das Material, desto besser die Passform.

Auch auf die Größenangaben der Hersteller kannst du dich leider nicht 100%ig verlassen. Wenn du dich für ein Modell entschieden hast, dann solltest du mehrere Größen anprobieren. Ebenso kann es sein, dass du bei dem einen Modell des Herstellers eine Größe brauchst und bei einem anderen Modell des gleichen Herstellers eine andere Größe. Untereinander (verschiedene Hersteller) kannst du Größenvergleiche meistens vergessen, da jeder Neoprenhersteller da sein eigenes Süppchen kocht. Folglich: Anprobieren und Testschwimmen ist der sicherste Weg, um die tatsächliche Passform deines anvisierten Neoprenanzugs festzustellen.

Passform im trockenen Zustand

Der Neoprenanzug muss in trockenem Zustand eng sitzen – wie eine zweite Haut. Trotzdem solltest du den Rückenreißverschluß problemlos selbst schließen können. Du solltest ungehindert atmen können und am gesamten Körper über ausreichend Bewegungsfreiheit verfügen. Auf keinen Fall sollte der Anzug zu groß sein und Falten werfen.

Passform im Wasser

Der Anzug verändert seine Passform nochmals leicht im Wasser. Achte vor allem auf für dich ausreichende Schulterbeweglichkeit. Das spürst du vielleicht noch nicht auf den ersten zweihundert Metern. Aber schwimme mal 400-800m damit, dann wirst du den Unterschied in der Schulterbeweglichkeit bei den unterschiedlichen Modellen spüren. Wenn du deinen Armzug beim Testschwimmen als überproportional anstrengend empfindest, dann solltest du vielleicht ein anderes Neoprenanzugmodell wählen. Wichtigstes Entscheidungskriterium ist immer noch dein subjektives Wohlfühlempfinden.

Grundsätzlich habe ich festgestellt, dass die preiswerten Einsteigermodelle meistens eine geringere Schulterbeweglichkeit aufweisen (z.B. Aquasphere Rookie). Ausnahmen bestätigen die Regel (z.B. 2XU T:0).

Es gibt bei den meisten Herstellern unterschiedliche Modelle für Damen und Herren. Dabei verhält es sich meiner Meinung nach genauso wie bei den Laufschuhen: Als Frau kannst du durchaus auch zu den Herrenmodellen greifen und als schlanker Mann findest du vielleicht eher einen passenden Neo bei den Frauenmodellen.

An- und Ausziehen

Die Neoprenanzüge für den Triathlonsport lassen sich auch je nach Hersteller und Herstellermodell unterschiedlich leicht an- und ausziehen. Beispielsweise hatte ich einen Orca Predator (war das Topmodell so um 2004 herum), mit dem ich beim Anziehen immer kämpfen mußte. Das Ausziehen war kein Problem. Auch hier empfehle ich dir das An- und Ausziehen bei mehreren Modellen unterschiedlicher Hersteller zu testen.

Auftrieb

Du solltest dich fragen: Wieviel Auftrieb brauche ich überhaupt? Hast du eine gute Wasserlage, dann kannst du zu triathlonspezifischen Neoprenanzügen mit dünnerem Material greifen. Vorteile: flexibel, weich, leichter zum An-/Ausziehen, meistens preiswerter im Vergleich (siehe der Speedskin von Camaro)

Hersteller und Marken von Neoprenanzügen für Triathlon

Ich erhebe keinen Anspruch auf Vollständigkeit der Liste. Vielleicht kennst du noch andere Hersteller? Dann lass es mich bitte wissen und hinterlasse einen Kommentar.

2XU
Aquaman
Aqua Sphere
Camaro
Blueseventy
Green Turtle
Mako
Orca
Sailfish
Speedo
Tri11
TYR
Xterra
Zaosu (keine Website – nur diverse Händler)
Zerod

Modellreihen bei den Herstellern

Jeder Hersteller bietet unterschiedliche Modelle an. Sie unterscheiden sich in erster Linie durch den Preis und darüber auch in der Qualität des verwendeten Materials. Das kann beispielsweise eine geringere Schulterbeweglichkeit bei den Einsteigermodellen bedeuten, muss es aber nicht.

Testschwimmen

Viele Hersteller bieten (meist im Frühjahr jeden Jahres) kostenlose oder kostenpflichtige Testschwimmen ihrer Neoprenanzüge an.

Bei den kostenpflichtigen Testschwimmen werden die Kosten meistens beim Kauf eines Neoprenanzugs verrechnet. Genaue Informationen dazu findest du ebenfalls auf deren Homepages oder auch in den bekannten einschlägigen Triathlonmagazinen. Hier die betreffende 2011er-Terminseite vom Tri-Mag.
Hier die Seite für 2012 vom Tri-Mag

Kosten eines Neoprenanzugs für Triathlon

Ein wichtiges Entscheidungskriterium ist sicherlich erst einmal der Preis. Einsteigerneoprenanzüge kosten so um die 200 EUR. Nach oben hin gesehen sitzt der Preis derzeit (2011) bei einer Grenze von ca. 800 EUR. Eine Menge Geld für eine schwarze Gummihaut.

Alternativen für Triathloneinsteiger oder Triathleten mit schmalem Geldbeutel

Nicht jeder Triathlet hat 200 bis 800 EUR übrig, um sich einen neuen triathlonspezifischen Neoprenanzug der aktuellen Modellreihen der Markenhersteller zu kaufen. Zum Glück gibt es ein paar Alternativen.

Alternative (1) Leihneo

Bei manchen Veranstaltungen findest du Neoprenverleiher. Meistens sind das Triathlonläden aus der näheren Umgebung am Veranstaltungsort oder andere Händler oder Kooperationspartner. Ich empfehle dir allerdings dich rechtzeitig vor deinem Wettkampf um einen Leihneo zu kümmern. Du solltest ihn auch noch Testschwimmen können.

Für die bei mir schwimmenden Triathleten biete ich die Möglichkeit sich gegen eine kleine Gebühr gebrauchte Neoprenanzüge für den Wettkampf oder ein Testschwimmen zu leihen.

Alternative (2) gebrauchter Neoprenanzug

Gebrauchte Neoprenanzüge findest du bei ebay, in den einschlägigen Triathlonforen oder in den unzähligen Kleinanzeigenmärkten im Internet, manchmal auch in den Kleinanzeigen der Lokalblätter oder Tageszeitungen.

Der Vorteil ist in den meisten Fällen der Preis. Du kannst teilweise ältere ehemalige Spitzenmodelle erwerben. Kleine Beschädigungen im Obermaterial tun dem Einsatz im Wettkampf keinen Abbruch.

Der Nachteil dabei ist, dass du ihn nicht anprobieren kannst und bei Privatverkäufen keine Rückgabemöglichkeit hast, falls dir der Triathlonneoprenanzug nicht passen sollte. Lass dir deshalb die konkreten Abmessungen geben. Am besten wäre es natürlich, wenn dir die Passform des gebrauchten Neoprenzugs, den du erwerben willst, annähernd bekannt wäre (beispielsweise durch ein Neoprentestschwimmen).

Alternative (3) Auslaufmodelle

Nach jeder Triathlonsaison finden sich oft die ersten herabgesetzten Angebote von diesjährigen Auslaufmodellen. Wenn du weißt, was du haben willst, mußt du einfach nur ein bißchen „googlen“.

Grundsätzlich kannst du natürlich auch mit einem Tauch- oder Surfneo die erste Disziplin deines ersten Triathlons bestreiten. Auch dieser hält dich warm und gibt dir verbesserten Auftrieb im Wasser. Der Nachteil besteht jedoch in dem erhöhten Wasserwiderstand durch die rauhe Aussenhaut, der meist geringeren Schulterbeweglichkeit und der unzureichenden Passform. Die Abschlüsse an Armen, Beinen und am Hals sind meistens suboptimal für das Schwimmen und es wird dir zusätzliches Wasser in den Anzug laufen und sich dort sammeln, welches dich verlangsamt.

Als Triathloneinsteiger oder Triathlet mit kleinem Budget findest du gute Neoprenanzüge bei den Auslaufmodellen oder bei den Angeboten für gebrauchte Neos. Wer sich sicher ist, dass er beim Triathlonsport bleiben will, und über das notwendige Kleingeld verfügt, der sollte sich überlegen, ob er vielleicht ein bißchen mehr in die schwarze Schwimmhaut investieren will.

Hier findest du einen Vergleichstest in Bezug auf Leistungsverbesserung von 8 Neoprenanzügen aus 2013 für das Schwimmen im Triathlon (englisch).

Hier findest du einen allgemeinen Vergleichstest von 14 Neoprenanzügen aus 2013 für das Schwimmen im Triathlon (englisch).

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