Materialtipp Triathlon – Worauf du beim Kauf deiner Triathlonbekleidung achten solltest


Ob Einteiler oder Zweiteiler, deine Triathlonbekleidung benötigst du für alle drei Teildisziplinen: Schwimmen, Radfahren und Laufen. Entsprechend sollte sie funktionell und ausreichend bequem sein. Sie sollte dich in keinem Fall behindern, einengen oder zu unangenehmen Scheuerwunden führen. Bei den Materialien schenken sich die diversen Hersteller relativ wenig. Aber: Der Teufel liegt im Detail.

Einteiler oder Zweiteiler

Ein Triathlon-Einteiler mag etwas komplizierter zum An- und Ausziehen sein (v.a. wenn du dringend das Örtchen aufsuchen musst), besonders wenn es sich um einen Kompressionsanzug handelt. Dafür sitzt das Teil – hoffentlich – wie angegossen. Ein zu kurzer Frontreissverschluss oder eine fehlende Reissleine am Rückenreissverschluss werden in der Hektik des Wettkampfs leicht zur Ursache für Krämpfe beim verzweifelten Versuch den Trisuit an- oder auszuziehen.

Ein Triathlon-Zweiteiler ist in dieser Situation (An- und Ausziehen) leichter zu handhaben, aber birgt die Gefahr eines Sonnenbrandes am Rücken. Wenn sich das meist recht knapp gehaltene Triathlontop beim Radfahren am Rücken nach oben schiebt und einen Streifen blanker Haut frei gibt, der v.a. auf der Langstrecke gut durchgegrillt wird. Da bleibt die Erinnerung an die Veranstaltung garantiert bis Weihnachten…

Ein weiterer bedenkenswerter Nachteil der Zweiteiler liegt in dem notwendig straffen Hosenbund, der beim Radfahren gern in den Bauch einschnürt. Wer einen empfindlichen Magen hat, sollte darauf achten und überprüfen, ob die enge Schnürung der Trishorts vielleicht ihren Anteil an eventuell auftretenden Magenbeschwerden hat.

Passform

Deine Triathlonbekleidung sollte sehr eng anliegen. Das ist besonders wichtig beim Schwimmen, wenn Neoprenverbot herrscht und beim Radfahren. Nachfolgend findest du ein paar Hinweise, welche weiteren Details deiner Triathlon Bekleidung welche Vorteile für dich bieten.

Obermaterial

Das Obermaterial von Trisuits ist meistens eine Mischung aus Polyester, Polyamid, Nylon ggfs. mit einem Anteil an Lycra oder Elasthan, um es dehnfähiger zu machen. Das Material sollte unbedingt atmungsaktiv sein und schnell trocknen. Einsätze an Seite oder Rücken aus luftigem Mesh-Material sorgen für zusätzliche Kühlung.

Manche der Triathlon Anzüge sind neuerdings mit einer Sharkskin-Oberfläche ausgestattet, die das Wasser besser abperlen läßt. Es kann jedoch sein, dass sich der Effekt nach relativ kurzer Zeit verliert. (Das war zumindest meine Erfahrung mit entsprechend ausgestatteten Schwimmanzügen.)

Hosenbeinlänge

Triathleten mit kräftigeren Oberschenkeln sind gut beraten längere Hosenbeine zu wählen und die „Hot Pants“ den Athleten mit den schlankeren Beinen zu überlassen. Wenn Haut irgendwo scheuern kann, dann wird sie scheuern und dich aufscheuern. Je länger die Distanz, desto langanhaltender und heftiger das Scheuern. Mach dir selbst ein Bild… v.a. der Schmerzen. Da hilft leider auch kein Vaselin mehr, sondern da helfen nur längere, eng anliegende Hosenbeine.

Gummierte Beinabschlüsse verhindern, dass dir die Hosenbeine nach oben rutschen.

Hals-, Arm-, Beinabschlüsse

Beim Schwimmen ohne Neoprenanzug kommt es darauf an, dass v.a. die Abschlüsse am Hals, an den Armen und Beinen eng anliegen. Der Halsausschnitt sollte entweder hoch, d.h. knapp unterhalb des Halses oder (wenn tiefer ausgeschnitten bei den Triathlonanzügen für Damen) etwas oberhalb des Brustbeins eng anliegen. Dort sind die Eintrittsstellen für das Wasser beim Schwimmen ohne Neoprenanzug.

Ist dein Anzug an diesen Stellen weit, findet das Wasser seinen Weg zwischen Haut und Material. Sitzt der Triathlonanzug auch an Bauch und Rücken locker, dann bilden sich dort gern Wasserblasen, die dich beim Schwimmen behindern.

Grundsätzlich erhöht Bekleidung, die Falten wirft deinen Wasserwiderstand. Dreimal darfst du raten, warum Schwimmbekleidung, v.a. Wettkampfbekleidung, knalleng anliegt.

Auch bei der Triathlonbekleidung ist es meiner Meinung eine Überlegung wert eine Nummer kleiner zu wählen. Wie gesagt, spielt das hauptsächlich eine Rolle, wenn Neoprenverbot herrscht. Wenn du einen Neoprenanzug darüber ziehst, ist es zumindest für das Schwimmen relativ egal, ob deine Triathlonbekleidung darunter Falten wirft oder nicht.

Kompression

Der zweite Vorteil hauteng anliegender Bekleidung im Triathlon liegt im Kompressionseffekt. Dieser ist mMn überwiegend ein Placeboeffekt, aber trotzdem in seiner Wirkung zu beachten. Wenn du dich in Kompressionsbekleidung wohl fühlst, wirst du – aufgrund des subjektiven Wohlgefühls – eine individuell bessere Leistung erbringen können. Dazu musst du noch nicht einmal ausgewiesene Kompressionsbekleidung kaufen. Es reicht meistens schon, wie erwähnt, wenn du den Trisuit 1-2 Nummern kleiner kaufst.

Aerodynamik

Der dritte Vorteil besteht darin, dass deine Triathlonbekleidung beim Radfahren eng genug anliegen sollte, um zu vermeiden, dass sie im Wind flattert. Das ist mit unter einer der einfachsten und preiswertesten Wege, um deine eigene Aerodynamik auf dem Rad zu erhöhen.

Wundscheuerschutz

Der vierte Vorteil liegt in einer geringeren Wahrscheinlichkeit dich wund zu scheuern. Wenn Arm- und Beinabschlüsse eng und rutschfest anliegen, werden sie weniger verrutschen, Falten schlagen und damit weniger Erhebungen zum Scheuern auf der Haut bieten.

Flache Nähte

Möglichst wenige und flache Nähte helfen ebenfalls die Gefahr des Wundscheuerns zu reduzieren. Für Athletinnen und Athleten mit kräftigen Oberschenkeln sind Triathlonhosen (oder Triathlon Shorts) und Triathloneinteiler mit längeren Hosenbeinen empfehlenswerter. Auch wenn sich dadurch die Tan Line mehr in Richtung Knie verschiebt…Lieber weiß als wundgerieben. Das wird besonders auf den längeren Distanzen schmerzhaft.

Reissverschlüsse

Wenn das Oberteil (egal ob Einteiler oder Zweiteiler) vorn mit Reißverschluss zu verschließen ist, macht ein kleiner Kinnschutz das Tragen oft angenehmer. Ein Kinnschutz ist ein kleines Stoffstück, unter welches das Ende des Reissverschlusses versteckt wird, damit es nicht scheuern oder pieksen kann.

Ist das Oberteil am Rücken mit Reißverschluß zu schließen, wird eine Reissleine hilfreich. Damit läßt sich der Reißverschluß leichter schließen. Wenn der Triathloneinteiler sehr eng ist, kannst du ihn beim Anziehen leichter eigenhändig schließen und brauchst keine Hilfe von Dritten. Die Reissleine solltest du unter deinem Anzug verstauen. Sonst kann es dir passieren, dass dir im Eifer des Gefechts beim Schwimmen von einem Athleten dein Anzug aufgezogen wird. Zusätzlich solltest du sie so verstauen, dass sie dich nicht im Nacken/am Hals scheuern kann.

(B)Halt für die Damen

Für die Triathletinnen wird es zusätzlich wichtig, dass das Oberteil fest sitzt. Schmalbrüstige Athletinnen haben hier eindeutig einen Vorteil. Triathletinnen mit größerer Oberweite sollten sich überlegen ein festsitzendes Sportbustier oder einen entsprechenden Sport-BH unter den Triathlonanzug oder das Oberteil des Triathlon Zweiteilers zu ziehen. Beim Schwimmen und Radfahren spielt es keine so große Rolle. Jedoch das Laufen ist eine High-Impact Sportart, die das Brustgewebe mit in Leidenschaft zieht, sollte die entsprechende Unterstützung fehlen.

Manche Triathlon Anzüge für Damen haben bereits ein zusätzliches Oberteil eingearbeitet. Andere Hersteller bieten ein zusätzliches Oberteil optional an.

Blickdichte

Triathlon Oberteile (in Ein- oder Zweiteilern) für weibliche Athleten sind manchmal (aber nicht immer) mit zusätzlichem Futterstoff unterlegt. Das Material fühlt sich angenehmer auf der Haut an, besonders wenn das Oberteil in mehreren Bahnen genäht wurde.

Die Triathlonhosen oder Triathlonshorts (bei Triathletinnen auch das Oberteil) sollten aus undurchsichtigem (blickdichtem) Material sein. Manchmal stellt sich die Durchsichtigkeit erst bei Nässe heraus (weiss oder helle Farben!) oder unter Spannung (schwarz oder dunkle Farben). Deshalb ist es ratsam, wenn du dich auch mal von hinten in Sitzposition betrachtest ;o) bevor du den Anzug oder die Hose für deine Triathlonausrüstung kaufst. Hast du bereits so ein Teil erworben, und stellst du zu spät fest, dass die Hose doch durchsichtig ist, kannst du unter die Hose dunkle Kompressionsunterwäsche anziehen.

Sitzpolster

Das Sitzpolster sollte relativ klein und dünn im Vergleich zu den „Pampers“ in Radhosen sein. Das Material besteht meistens aus dünnem Fleece. Die Nähte sollten flach und das Nahtmaterial elastisch und relativ weich sein.

Taschen

Eine oder zwei kleine Rückentasche(n) ist/sind (v.a. auf den längeren Distanzen) nützlich für Gelpäckchen oder Riegel. Manchmal finden sich zusätzliche kleine Taschen an den Beinen, die praktisch sind, um den Müll der Gelpäckchen und Riegel zu verstauen (schließlich solltest du es vermeiden dein Plastik in der Botanik zu entsorgen). Diese Taschen sollten ebenfalls eng anliegen, andernfalls erfüllen sie den Zweck einer Widerstandshose beim Schwimmen ohne Neoprenanzug.

Nochmal zusammengefasst:

Einteiler oder Zweiteiler: bleibt Geschmackssache
Material allgemein: atmungsaktiv, elastisch/dehnbar, blickdicht, schnelltrocknend, eng anliegend
Verarbeitung der Nähte: möglichst wenige, flach und elastisch
Beinabschlüsse: flach, enganliegend, sparsam gummiert, nicht einschneidend
Armabschlüsse (ärmellos): flach, eng anliegend
Reissverschluss vorn: verdeckt oder sehr flach, Kinnschutz,
Reissverschluss hinten: Reissleine
Sitzpolster: dünn, klein, ohne Falten, keine harten Nähte
Taschen: kleine Rückentasche(n), evtl. kleine Tasche(n) am Bein, straff/eng anliegend

Ach ja: Teste deinen neuen Triathlonanzug (Einteiler oder Zweiteiler) im Training. Dort wirst du erst feststellen, ob er wirklich passt. Kleine Unannehmlichkeiten auf kurzen Strecken mutieren zu Katastrophen auf langen Strecken…

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2 Kommentare zu “Materialtipp Triathlon – Worauf du beim Kauf deiner Triathlonbekleidung achten solltest”

  1. Danke für die hilfreichen Informationen. Ich hab mir 2 Tri-Suits der Marke Cep bestellt(in S und M) und war mir unschluessig (auch nachdem ich beide anhatte) welchen ich nehmen sollte. An den Beinen/Oberschenkeln sitzt der M besser dafuer ist er am Brustkorp und unter den Armen zu locker… hier ist S besser doch sind die Beine ziemlich eng, bzw die Gummiabschluesse an den Beinen.
    Dennoch tendiere ich eher zur Grösse S, da Material sich ja meistens noch im Wasser weitet und je oefterman trainiert udn die Anzüge an hat, sich das Material auch ein bisschen weitet, oder?

    LG
    Moritz

    1. Hallo Moritz,

      vielen Dank für deinen Kommentar. Das kommt darauf an, was du hauptsächlich machst: Mit Neo oder ohne Neo im Wettkampf schwimmen. Wenn ohne Neo, dann sollte der Triathlonanzug wirklich gut sitzen (da du sonst Wasser im Anzug sammelst und dich ausbremst). Wenn mit Neo, dann ist es egal. Weiterer Vorteil wenn der Tri-Suit sehr eng ist: Kompressionseffekt. Zwicken sollte er trotzdem nicht. Einengen sollte er dich auch nicht. Aber: Da in dem Material Elasthan mitverarbeitet ist, weitet sich der Anzug (wie du selbst erkannt hast) mit häufigem Gebrauch und das Material wird im Wasser automatisch etwas weiter. Ich würde an deiner Stelle noch andere Triathlonanzüge testen, da die Passform von Hersteller zu Hersteller unterschiedlich ist. Wenn du das nicht willst, würde ich zur kleineren Größe tendieren. Aber: Passen muss der Triathloneinteiler dir. Wohlfühlen musst du dich darin. Ich hoffe, das hilft dir etwas. Viele Grüße. Vera

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